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Buchbesprechung

zu: Literarische Harzreisen: Bilder und Realität einer Region zwischen Romantik und Moderne, hrsg. Cord-Friedrich Berghahn, Herbert Blume, Gabriele Henkel und Eberhard Rohse


Literarische Harzreisen: Bilder und Realität einer Region zwischen Romantik und Moderne,
hrsg. Cord-Friedrich Berghahn, Herbert Blume, Gabriele Henkel und Eberhard Rohse. Bielefeld: Verlag für Regionalgeschichte 2008. 382 Seiten. ISBN (13): 978-3-89534-680-4; ISBN (10): 3895346802



Hervorgegangen aus einem interdisziplinären wissenschaftlichen Symposion, bietet der vorliegende Band aufschlussreiche Einblicke in höchst unterschiedliche literarische sowie künstlerische Harzreisen und deren jeweilige ästhetische Reflexion in jener Epoche des Übergangs zwischen der europäischen Romantik und Moderne. Der Harz präsentiert sich den Herausgebern als ein facettenreiches regionales Kulturphänomen mit internationaler Außenwirkung und als literarischer Imaginationsraum sui generis, dessen kulturelle und metaphorische Transformationen es näher zu erforschen gilt.

Dankenswerterweise setzt der Eröffnungsbeitrag von Rolf Parr gleich eingangs einen Akzent kritischer Selbstreflexion, indem er unterschiedliche historische Varianten von Regionalgeschichtsschreibung vorstellt und durchleuchtet. Auf diese Weise gelingt ihm überzeugend die Abgrenzung der gegenwärtig geläufigen und repräsentativen Neuansätze innerhalb der Erforschung von Regionalkultur von den dunklen Kapiteln völkischer Literaturgeschichtsschreibung. Ein zeitgemäßes regionalgeschichtliches Unterfangen versteht sich demzufolge vor allem als kulturwissenschaftliche Analyse, die den diskursiven Vernetzungen und Überschneidungen der Verhandlungen über die Harzlandschaft angemessen Rechnung trägt und so beispielsweise eine sinnvolle Verbindung von genuin literaturwissenschaftlichen und kultursoziologischen Fragen erlauben kann.

Julia Bertschik unternimmt in ihrem Aufsatz "Im Bergwerk der Literatur" eine erhellende literaturgeschichtliche Toposforschung, indem sie, ausgehend von Franz Fühmanns autobiographischem Fragment Im Berg. Bericht eines Scheiterns aus dem Jahr 1991, die komplexe Verwendung des Bergwerk-Motivs in der neuzeitlichen Literatur erkundet. Dabei werden subtil die innere Vielschichtigkeit und erstaunliche Produktivität jener Metaphorik im Spannungsfeld zwischen Wissenschaft und Kunst bzw. ‚Poesie‘ beleuchtet. Bei den Romantikern Hoffmann, Tieck und Novalis spielt sie ebenso eine Schlüsselrolle wie bei Klingemann, Fontane und anderen. Nicht zuletzt als Indiz jener angedeuteten Tiefendimension poetischer Arbeit kommt der diskutierten Bildlichkeit bis in die Gegenwart eine (latente) dichtungstheoretische Bedeutung zu.

 

 


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