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Die Rolle und Funktionen des Oneiroraums in der deutschsprachigen fantastischen Literatur am Beispiel von dystopischen Romanen

Jeder  gesunde  Mensch  als  ein  biologischer  Organismus  träumt  in  der Nacht. Träume sind also ein unentbehrlicher Teil unseres Lebens, infolgedessen sind ihnen sehr viele Forschungen im Bereich der Psychologie und Philosophie gewidmet. Ich als Literaturwissenschaftlerin möchte in diesem Beitrag  den  Traum  als  ein  Element  des  literarischen  Werks  behandeln, unter Beachtung von dessen physiologischen und psychologischen Charakteristika. Besonders ausführlich sollen die Funktionen des Traums in dem Roman „Ypsilon Minus“ von Herbert W. Franke analysiert werden, da in diesem  Werk  ganz  neue  Rollen  des  Traums  und  neue  Mechanismen  von dessen  Aufkommen  zu  sehen  sind.  In  das  skizzierte  Forschungsfeld  sind aber  auch  andere  deutschsprachige  dystopische  Romane  einzubeziehen, die uns für dieses Thema interessant scheinen.
Dabei meinen wir, dass der literarische Traum als ein besonderer Chronotop  betrachtet  werden  kann.  Es  hat  einen  spezifischen  Raum  (Oneiroraum) und spezifische Zeit (Oneirozeit). Es ist sehr interessant, dass H. W. Franke, der kein Literaturtheoretiker ist, bei der Beschreibung des Zustandes seines Helden unbewusst diesen Begriff definiert: „Als befände er sich in  einer  imaginären  Zeit,  in  einem  imaginären  Raum, der  das  Reich  der Träume von der Realität trennt“.
Die  Darstellung  des  Traums  in  der  Literatur  ist  eine  verbreitete  Erscheinung, dessen Rolle und Funktionen ändern sich indessen, und zwar je nach  der  schöngeistigen  Richtung,  historischen  Epoche,  herrschenden Weltanschauung  und  konkreten  Aufgabe  des  Autors.  Im  Altertum  waren Träume eine Art von Orakel und wurden als Botschaften von den Göttern wahrgenommen. Wissenschaftler, die sich mit der Forschung der Träume in der Antike befassen (z. B. T. Teperik) teilen alle Träume in drei Gruppen: Wahrsagungen, Tröstungen und Erinnerungen.
Bei  der  Forschung  des  literarischen  Traums  werden  auch  Gattungsmerkmale des Textes beachtet. Z. B. haben die Träumenach Meinung von Michail Bachtin die Bedeutungen des Wahrsagens, der Ermunterung und der Ermahnung, und zwar nur in der Literatur, die auf der Karnevalbasis beruht;  er  schreibt,  dass  „solche  Träume  epische  und  tragische  Ganzheit des Menschen und seines Schicksals zerstören“, und sie erfüllen auf solche Weise psychologische Funktionen.

 


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