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Der Kampf von Gut und Böse als Verwaltungsakt

Zu Sergej Lukianenkos Wächter-Reihe

‘Gut und Böse’ – Variationen eines Topos
Der Eintritt des Lesers in die Welt der Wächter-Romane Sergej Lukianenkos  mutet  geradezu  konventionell  an.  Der  Ich-Erzähler  und  Protagonist Anton  Gorodezki,  lichter  ‘Anderer’,  Nachtwache  Moskau, durchstreift  die nächtlichen Straßen in wichtiger Mission: er folgt demRuf eines dunklen ‘Anderen’, eines Vampirs, um das damit angelockte menschliche Opfer zu retten.  Nach  und  nach  entfaltet  sich  die  Welt  der  Wächter.  In  der  uns bekannten Welt leben neben den normalen Menschen diemagiebegabten ‘Anderen’, Vampire und Werwölfe, Hexen und Zaubereretc. Von den Menschen,  zumindest  den  Menschen  der  Moderne,  weitgehend  unbemerkt leben sie unter uns und bestimmen wesentlich die Ereignisse der Weltgeschichte.
Gemeinsam  ist  allen  ‘Anderen’  die  Fähigkeit,  in die  magische  Parallelwelt  des  Zwielichts  eintauchen  zu  können.  Getrennt  sind  sie  durch  ihre Zugehörigkeit zu den Lichten beziehungsweise zu den Dunklen, die sich in einem  immerwährenden  Kampf  gegeneinander  und  um  die  Seelen  der
Menschen  befinden.  Zu  Nutz  und  Frommen  der  Menschen  kämpft  das Gute gegen das Böse, Magie ist auch im Spiel – ein bekanntes Muster der
Fantasy.
In  literaturwissenschaftlichen  Analysen  des  Genres  spielt  ‘Gut  gegen Böse’  dennoch  ein  weitgehendes  Schattendasein.  Definitionsversuche  der
Fantasy  etwa  von  Pesch und  Weinreich nennen  das  Begriffspaar  nicht, eben sowenig das Phantastikhandbuch unter dem Lemma  Fantasy,  allerdings  als  Grundmotiv  der  Apokalypse.  Abraham  führt  es  nicht  als  Teil seiner Definition, aber immerhin als einen Unterpunkt von ‘Dichotomien abendländischer  Fantastik’.  Wiewohl  Abraham  insbesondere  für  neuere Werke und Adaptionen ausführt, dass nicht „ein einfacher Schwarz-WeißKontrast  […],  sondern  tatsächlich  eine  Dichotomie“ zwischen  Gut  und Böse  vorliege  und  einzelnen  Figuren  psychologische  Tiefe  in  diesem  Bereich verliehen werde, so mag das relative Desinteresse an diesem Bereich auch  daran  liegen,  dass  ein  oft  recht  holzschnittartig  gearbeiteter  Gegensatz  ein  wenig  ergiebiges  Arbeitsfeld  oder  Definitionskriterium  darstellt. Auffällig  ist,  dass  Abrahams  vergleichsweise  ausführliches  Eingehen  auf das  Thema  in  einer  ‘Einführung  für  Schule  und  Hochschule’,  unter  einer
spezifisch „medien- und rezeptionsorientierten Perspektive“ stattfindet.

 


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