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Mein Freund von der Waffen-SS

Nazideutsch-polnische  Waffenbrüderschaft  als  imagologisches Alternativweltenmodell

I.
In  dem  fast  schon  nietzscheanisch  anmutenden  Gestus  der  Umwertung aller  Werte  bzw.  der  kaiserschnittlichen  Geburt  neuer  Erkenntnisse  aus
dem Geiste der Wende revidiert die polnische Geschichtsschreibung nach 1989 die bisher geltenden, ideologisch offenbarten Wahrheiten. Ihre politisch  dekretierte,  jahrzehntelang  dauernde  weltanschauliche  Monolithizität bekommt infolgedessen immer mehr Sprünge und Risse, an deren Erweiterung  und  Vertiefung  nun  emsig  gearbeitet  wird. Das  Movens  hinter diesen  ‘reformatorischen’  Aktivitäten,  die  nun  die  noch  vor  Kurzem  in Forschung und Lehre allgemein verbindlichen Geschichtsinterpretationen dementieren  und  auf  den  Müllhaufen  der  Geschichte  befördern,  sorgt coram  publico für  nicht  selten  heftig  ausgefochtene,  medien-  und  publikumswirksame Debatten.
Ein Teil der Historikerzunft entaxiomatisiertdie bisherigen geschichtshermeneutischen Dogmen im Akt expiatorischer Selbstgeißelung, die ihn – trotz  früherer  freiwilliger  Involvierung  in  die  ideologisch  tendenziöse wahrheitsverzerrende  Faktendeutung  –  in  den  Genuss  eines  „Persilscheins“ für die demokratische Zeit kommen helfen soll. Das von den einen nur  vorgespielte,  von  den  anderen  aber  tatsächlich  tief  empfundene Schuldbewusstsein  angesichts  ihrer  Servilität  gegenüber  dem  volksdemokratischen  Ancien  Régime  lässt  sie  allesamt  in  das  Lager  der  exaltierten Huldigung  des  magisch-mythisch  gefärbten  polnischen  Patriotismus migrieren,  der  sich,  das  konstituierende  thanateische  Element  von  der englischen Hochromantik (Byron, Keats, Shelley) übernehmend, schon seit
ca.  zwei  Jahrhunderten  kaum  aus  dem  Identitätsgründungswiderspruch zwischen der hegelianischen Apotheose des Staates, mit dem insbesondere
in der Teilungszeit von 1795-1918 die Nation gleichgesetzt worden ist, und der  herderschen  Volksseele,  deren  Konkretisierung  als  Volkskultur  das
Fundament zur Bildung der Nation lege, befreien kann.

 


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