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Eine nicht schreibende Welt

François Truffauts Fahrenheit 451 aus einer medienfixierten Perspektive

Writing Worlds – ich möchte den Titel der Jahrestagung der Gesellschaft für Fantastikforschung 2013 absichtlich anders verstehen als die naheliegende Bedeutung und ihn mit „schreibende Welten“ übersetzen, um mich so einer nicht schreibenden Welt zuwenden zu können: François Truffauts Fahrenheit 451. In seiner Verfilmung von Ray Bradburys Roman verabsolutiert Truffaut die Quintessenz der Vorlage und präsentiert dem Rezipienten eine Welt, in der nicht nur bestimmte Bücher demZensus zum Opfer fallen, sondern die Schrift an sich verboten ist. Dabei wird das Buch durch drei Elemente als Bewahrer der  Menschlichkeit und Kultur inszeniert:
1. Der Film affiziert die Bildwand mit negativen Attributen und stellt sie als gekünstelt, kalt und unmenschlich dar. Darüber hinaus fungiert sie als Sprachrohr des herrschenden totalitären Regimes.
2. Auf der Ebene der Story erleben wir als Rezipienten den Wandel der Hauptperson Montag mit. Dieser wandelt sich vom systemtreuen Feuerwehrmann zum Systemgegner. Sein Weg zur Freiheit ist dabei unmittelbar mit einer Hinwendung zum „Buch“ und der Emanzipation gegenüber der Bildwand verbunden.
3. Die Bücher, die im Film verbrannt werden, sind überwiegend Bestandteil des kulturellen Gedächtnisses, wodurch das Verbot dieser Bücher wie eine Agitation gegen die Kultur erscheint.
Ich werde im Folgenden die filmstilistischen Mittel herausarbeiten, die Truffaut nutzt, um das Buch als Bewahrer der Kultur zu nobilitieren. Als Methode nutze ich dabei die neoformalistische Filmanalyse nach David Bordwell und Kristin Thompson. Ziel dieses Ansatzes ist es zu ergründen, wie durch die formalen Gestaltungsmittel  des Films Sinn generiert wird.
Auch wenn sich der Rezipient nur als eine „hypothetische Entität“ fassen lässt, geht der Neoformalisnus von der Annahme eines aktiven Subjektes aus, welches auf Basis sozial vermittelter Schemata Bedeutungszusammenhänge herstellen kann. In der Analyse wird zunächst damit begonnen, das narrative System des Films zu verstehen (film-form), um anschließend zu ergründen, wie durch den Einsatz filmsprachlicher Mittel (film-style) die Story erzählt wird. Der film-style wird analytisch in vier Bereiche unterteilt: Als mise-en-scene werden jene Gestaltungselemente beschrieben, die sich vor der Kamera befinden. Die cinematography beschreibt den Umgang mit der Kamera. Unter editing wird das Zusammenführen einzelner Einstellungen zusammengefasst. Der sound markiert schließlich die auditive Ebene des Films, wobei sowohl innerdiegetische als auch extradiegetische Musik und Geräusche analysiert werden.


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