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Realitätenbrecher

Transformationen des Realen im fantastischen Raum

Bernhard  Hennens zeitgenössischer Roman Nebenan erzählt  über  einen Zeitraum  von  einigen  Monaten  hinweg  die  Geschichte  einer  Gruppe  von
Studenten  der  Universität  zu  Köln,  die  –  nach  der  Öffnung  eines  Tors  in die als „Nebenan“ bezeichnete Anderswelt – im Mittelpunkt des Konfliktes
zwischen  ‘guten’  fantastischen  Wesen  –  Heinzelmännchen,  die  unter  der Universität wohnen, und deren Verbündeten, die die reale Welt vor negativen Einflüssen aus der fantastisch-magischen Sphäre „Nebenans“ schützen – und ‘bösen’ fantastischen Wesen wie den aus „Nebenan“ nach Köln entrückten Erlkönig und Grafen Cagliostro stehen. Dieser Konflikt kulminiert in einem Krieg in der realen Welt, der von den Studenten gemeinsam mit den Heinzelmännchen und anderen Parteien gewonnen wird, wodurch die reale Welt vor einer Invasion von Wesen – von Drachen bis hin zu Riesen – aus der Anderswelt und deren Machtübernahme bewahrt wird.
Der Roman zeichnet sich unter anderem durch einen mehrfachen parallelen  Diskurs  aus,  der  die  beiden  Ebenen  des  realen und  fantastischen Raumes  kontinuierlich  miteinander  kombiniert.  Im  Zentrum  der  narrativen Struktur steht das räumliche und zeitliche Nebeneinander von Fantasie  und  Realität,  deren  Ebenen  nicht  zu  trennen  sind und  die  nicht  ohne einander  existieren  können.  Der  Wegfall  der  einen  Ebene  würde  den  Zusammenbruch  der  Handlung,  der  Ästhetik,  der  tieferen Bedeutung  der Fiktion etc. bedeuten – kurzum: Der Wegfall einer Ebene würde dem Wegfall der epischen Relevanz des Textes gleichkommen.
Dieser  Paralleldiskurs  äußert  sich  in  einem  Verschwimmen  der  Grenzen, denn solche werden im Roman auf primärer Ebene  kaum gezogen. So ist  beispielsweise  der  Technisierungsgrad  der  Heinzelmännchen  bemerkenswert,  die  sich  als  mahnende  Quälgeister  mit  magischen  Fähigkeiten und Gegenständen in die Realität einmischen, wenn esgeboten erscheint – das heißt, dass sich fantastische Wesen ganz unproblematisch, fast ‘natürlich’, realer Technologien bedienen können, und andersherum ist nicht nur die  Existenz  realen  Lebens  in  der  märchenhaften  Anderswelt  denkbar, sondern  eindeutig  möglich:  Die  Studentengruppe  rund  um  den  Träumer Till bewegt sich ohne physische Einschränkungen oder dauerhaft Schaden zu nehmen in der völlig anders organisierten und strukturierten Welt von „Nebenan“.

 


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