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Die Waffen des Menschen

Graciáns Inselhöhle und die Kulturtechniken der Weltabwehr


Die folgenden Überlegungen verstehen sich als ein Versuch, Baltasar Graciáns von 1651 bis 1658 in drei Teilen veröffentlichten allegorischen Roman Criticón mittels eines close reading seiner ersten Kapitel auf die aktuelle Kulturtechnikforschung zu beziehen. Interessant könnte eine solche Lektüre im Hinblick auf das Thema „Graciáns Künste“ vor allem deswegen sein, weil es mit ihr möglich wird, die Vielschichtigkeit dieser Künste als menschliche artificios zwischen ars und techne zu denken. Die Kulturtechnikforschung findet in Graciáns Texten nicht nur ein literarisches Erprobungsfeld für ihre theoretischen  Ansatzpunkte, sondern sie erhält möglicherweise auch Einblick in einen Moment ihrer eigenen Genealogie, der wichtige ihrer Einsichten bereits  vorwegnimmt, dabei aber auch auf ein zentrales Problem des Verhältnisses von Literatur und Kulturtechniken verweist, nämlich das Verhältnis zwischen Operationalität und Rhetorizität.
Den Ansatzpunkt für meine sich in zwei Teile gliedernden Überlegungen soll Hans Blumenbergs doppelte Auseinandersetzung mit Graciáns Criticón darstellen: In ihr sind zwei Fragen enthalten, die eine weitere Entfaltung im Licht der Kulturtechnikforschung verdienen, nämlich zum einen die Frage nach einer Anthropologie der Technik und zum anderen diejenige nach den Medien der vom Menschen entfalteten artificios sowie ihrer literarischen Gestalt. Blumenberg  hat sich in zwei seiner größeren Studien mit Graciáns Criticón beschäftigt, zunächst in Die Lesbarkeit der Welt (1981) – diese erste Begegnung kreist um die allegorische Gestalt des „Descifrador“ sowie um die Überbietung des „abgenutzten Topos“ des „Buchs der Natur“ durch das von Menschen ständig neu verschlüsselte und wieder zu entschlüsselnde „Buch der Welt“. Seine zweite Auseinandersetzung mit dem Criticón findet in den Höhlenausgängen (1989) statt, wo Blumenberg grundlegender ansetzt und die erkenntniskritische Prägung des Criticón durch die Situation der Höhle, in der Andrenio aufwächst, im Vergleich mit dem cartesianischen cogito untersucht.

 


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