Die diskrete Metapher. Blumenbergs Metaphorologie im Lichte Graciáns

  • Pablo Valdivia Orozco
Schlagworte: Blumenberg, Hans, Paradigmen zu einer Metaphorologie, Gracián y Morales, Baltasar, El héroe

Abstract

Die diskrete Metapher funktioniert, darin das Allegorische streifend, keiner natürlichen Kontinuität gemäß; sie folgt keiner naturgegebenen Ähnlichkeit. Sie ist – um es in Begrifflichkeiten der deutschen Klassik zu sagen – kein ‚symbolisch‘ funktionierendes Analogon, wo Sinnliches und Ideelles harmonisch zueinanderfinden. Die diskrete Metapher setzt Kunst in einem ganz bestimmten, man könnte auch sagen: technischen Sinne voraus. Kunst ist, sie zu erkennen, sie zu entziffern. Oder anders: Diese Metapher ist Text, nicht Bild, so wie das concepto eine „relation singulière entre l’écriture et la pensée“ darstellt.
Das ist der medienästhetische Hintergrund, vor dem schon seit El héroe (1639) die mit Gracián symbiotisch assoziierte Metapher der Chiffrierung der Leidenschaften zu deuten ist. „Cifrar la voluntad“ ist dabei die schützende Kehrseite der für die Erkenntnis ja viel entscheidenderen Fähigkeit, den Anderen zu entziffern. Im Criticón findet diese Art der Lektüre der Erscheinungen im descifrador ihre Figur. Die diskrete Metapher setzt auf ein Erkennen, so könnte man heute sagen, das sich einer kritischen Lektüre verdankt.

Veröffentlicht
2014-01-02
Rubrik
Artikel