Grenzen der Verstrickung

‚(Dis)Entanglement‘ von Mensch-Tier-Beziehungen in der Gegenwartsliteratur

Autor/innen

  • Vanessa Franke Weimar

Abstract

Dieser Artikel stellt zwei Fälle des Life Writing der Gegenwartsliteratur einander gegenüber, die sich auf konträre Weise mit Mensch-Tier-Relationen im Zeitalter ökologischer Krisen beschäftigen: Autobiographie d’un poulpe von Vinciane Despret und Croire aux fauves von Nastassja Martin. In der Gegenüberstellung zeigt sich, dass das oft generalisierte Narrativ des ‚entanglement‘, das heißt einer unauflösbaren Verstrickung von Menschen und Tieren im posthumanen Anthropozän, einer stärkeren Ausdifferenzierung bedarf. Während es in Desprets kritischer Fabel vor allem darum geht, den Tieren Subjektivität und Handlungsmacht zuzusprechen und die ontologischen Grenzen zwischen Menschen und Tieren in einem ‚sympoietischen‘ Schreiben aufzulösen, stellt Martins autobiographische Auseinandersetzung mit einem erlebten Trauma durch einen Bären den Versuch dar, schützende Grenzen zwischen Mensch und Tier wieder einzuziehen – ein Prozess, der hier als ‚disentanglement‘ bezeichnet wird. Grenzziehung und Grenzauflösung werden im Vergleich der beiden Texte zu entscheidenden Beschreibungskategorien von Mensch-Tier-Beziehungen in der Gegenwartsliteratur.

Downloads

Veröffentlicht

2026-11-04