(Auto-)biografische Verwaltungsgeschichten

Life Writing von Bürokraten und Bürokratiegeschädigten

Autor/innen

  • Alexandra Müller

Abstract

Der Aufsatz betrachtet aus verschiedenen Blickwinkeln den vielschichtigen Zusammenhang zwischen Bürokratie und Life Writing. Zum einen werden hierfür in einem literaturhistorischen Überblick Formen, Funktionen und die Rezeption von Selbstzeugnissen, die von Beamten geschrieben wurden, untersucht. Exemplarisch wird dabei näher auf die im 17. Jahrhundert verfassten Tagebücher von Samuel Pepys und den unter dem Pseudonym Zoé Shepard veröffentlichten autobiografisch inspirierten Roman Absolument dé-bor-dée! ou le paradoxe du fonctionnaire (2010) eingegangen. Zum anderen werden (auto-)biografische Werke analysiert, in denen thematisiert wird, wie bürokratische Prozesse Lebensgeschichten bestimmen können. Fokussiert werden soll vor allem wie Techniken der Systematisierung und bürokratische Dokumentationsformen (Formulare, Fragebögen, Urkunden) imitiert oder in die Werke integriert werden. In diesem Kontext wird beispielsweise auf die Darstellung von Asyl- und Immigrationsverfahren in den lyrischen Memoiren Invasive Species (2019) der ägyptisch-amerikanischen Dichterin Marwa Helal und der Installation Zugzwang (2020) der deutsch-vietnamesischen Künstlerin Sung Tieu eingegangen. Reflektiert wird darüber hinaus die Bedeutung von bürokratischem Life Writing als Alltagspraxis.

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Veröffentlicht

2026-11-04